Industrie

Für die Industrie bedeutet der Weg zur Klimaneutralität einerseits eine enorme Herausforderung, andererseits aber auch eine große ökonomische Chance. Richtig angegangen kann der „Green Deal“ sowohl die Wettbewerbsfähigkeit verbessern als auch Wohlstand und Arbeitsplätze schaffen. Um die Klimaziele zu erreichen, ist es erforderlich in den zentralen Grundstoffindustrien neue Prozesse zu etablieren. Technologisch wird dies dadurch begünstigt, dass ohnehin etwa 50 Prozent der zentralen Industrieanlagen der deutschen Grundstoffindustrien in den nächsten 10 Jahren zur Reinvestition anstehen. Diese Chance muss genutzt werden.

 

Grafik "THG-Emissionen/Industrie", Stiftung Klimaneutralität"

Industrie ist der zweitgrößte Treibhausgasemittent
Mit einem Anteil von 22 Prozent ist die Industrie nach der Energiewirtschaft der Sektor mit den zweithöchsten Treibhausgasemissionen. Nachdem diese in den 1990er Jahren etwa durch den Zusammenbruch der ostdeutschen Industrien, Effizienzsteigerungen und den verstärkten Einsatz von strombasierten Produktionsprozessen gesunken sind, konnte diese Entwicklung in den letzten 20 Jahren kaum noch fortgesetzt werden. Das relativ starke Wirtschaftswachstum hat weitere Einsparungen durch Effizienz und den Einsatz CO2-ärmerer Brennstoffe aufgehoben.

Prognos, Öko-Institut, Wuppertal Institut (2020): Klimaneutrales Deutschland. Studie im Auftrag von Agora Energiewende, Agora Verkehrswende und Stiftung Klimaneutralität

Grundstoffindustrien stehen vor einer besonderen Herausforderung
Die Grundstoffindustrien tragen mit 70 Prozent zu einem Großteil der industriellen Treibhausgasemissionen bei (Stahl, Grundstoffchemie, Zement, Kalk, Nichteisenmetalle, Glas, Gießereien, sowie Zellstoff, Papier und Pappe). Für sie stellt eine Umstellung auf Klimaneutralität eine besondere Herausforderung dar. Denn zur Umwandlung von Rohstoffen sind Hochtemperaturprozesse nötig, die sehr energieintensiv sind und derzeit mit der Verbrennung Kohle, Öl und Erdgas einhergehen. Hinzu kommen prozessbedingte Emissionen, die sich mit herkömmlichen Technologien nicht vermeiden lassen.

Klimaneutralität wird durch Effizienz, Wasserstoff, Recycling und CCS erreicht
Die Etablierung neuer Prozesse in den zentralen Grundstoffindustrien ist der zentrale Hebel, um die Klimaziele in der Industrie zu erreichen. Dies beinhaltet Effizienzmaßnahmen, einen weitgehenden Umstieg auf erneuerbare Energieträger (Strom, Wasserstoff, biogene Energieträger), innovative Produktionsrouten wie die Herstellung von Roheisen in Direktreduktionsanlagen und chemisches Recycling, sowie den Einsatz von CO2-Abscheidung und Speicherung (CCS).

Industrie Foto im Text

Reinvestitionszyklen als Chance nutzen
Eine vorausschauende Klimapolitik wird „stranded assets“ vermeiden. Daher sind zeitnah Rahmenbedingungen für einen Umstieg auf klimaneutrale Technologien und Prozesse zu schaffen. Durch rechtzeitiges Handeln wird Deutschland auf dem Weg zur Klimaneutralität auch zukünftig ein bedeutender Standort für Stahl, Grundstoffchemikalien und Zement bleiben. Vorreiter bei der Transformation kann die Stahlindustrie werden. Hier können ans Ende ihrer Lebenszeit kommende, auf Kohlenutzung basierende Hochöfen durch Direktreduktionsanlagen ersetzt werden, die vorwiegend mit Wasserstoff und kleineren Anteilen Erdgas betrieben werden.

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Infografik

Prognos, Öko-Institut, Wuppertal Institut (2020)

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