Als Lehre aus dem russischen Angriffskrieg sollte Deutschland bei der Entwicklung dieser neuen Energie-Industrie verstärkt mit anderen Demokratien zusammenarbeiten und sich nicht noch einmal von einzelnen autoritären Staaten abhängig machen. Hierbei bieten sich insbesondere Staaten im globalen Süden an, die demokratisch regiert werden, Menschenrechte respektieren, Pressefreiheit garantieren und gleichzeitig exzellente Solar- und Wind-Bedingungen aufweisen wie bspw. Namibia. Im Auftrag der Stiftung Klimaneutralität hat EY eine Studie zu möglichen politischen Instrumenten zur Förderung einer nachhaltigen Versorgung Deutschlands mit „Green Fuels“ am Beispiel von grünem Ammoniak aus Namibia erstellt.

Die Initiative für den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft ging von der namibischen Regierung aus. Ein Konsortium mit dem Namen Hyphen, an dem ein deutsches Unternehmen beteiligt ist, hat sich bei einem wettwerblichen Ausschreibungsverfahren durchgesetzt. Die Studie untersucht mögliche Hindernisse für das GH2-Projekt und entwickelt politische Unterstützungsinstrumente. Als Hauptrisiken werden in der Studie die First-Mover-Nachteile, mangelnde Attraktivität für Investoren, Bankfähigkeit und Umsetzungsgeschwindigkeit genannt. Obwohl Namibia hervorragende Bedingungen für erneuerbare Energien und die Produktion von grünem Wasserstoff bietet, hängt der Erfolg des grünen Wasserstoffprojekts weitgehend von den Zinssätzen ab, die es auf den internationalen Kapitalmärkten zahlen muss. Da Namibia ein Entwicklungsland ist, ist die Aufnahme eines Kredits für eine Investition immer mit einem Risikoaufschlag verbunden. Aufgrund des großen Projektumfangs von ca. 10 Mrd. US$ (entspricht ungefähr dem BIP Namibias) haben selbst kleine Änderungen des Zinssatzes große Auswirkungen auf den Endpreis von grünem Wasserstoff ($/kg). Die Studie kommt zu dem Schluss, dass eine Kombination von Instrumenten erforderlich ist, um das Projektrisiko und damit die Finanzierungskosten des Projekts zu senken: Ein Differenzkontrakt (CfD), der einen Mindestpreis für Ammoniak vorsieht; die Entsendung von Regierungsvertretern für Politik und Projektplanung nach Namibia; die rechtzeitige Entwicklung der erforderlichen Importinfrastruktur in Deutschland; und schließlich eine Quote für GH2/grünes Ammoniak in Deutschland oder Europa.