Die Idee basiert auf einem etwa 8.000 Kilometer langen Seekabel, das Deutschland, Belgien und Portugal mit Brasilien, Uruguay und Argentinien verbindet. Das Konzept nutzt die saisonale Komplementarität der Hemisphären: Wenn bei uns Winter herrscht und die Solarerträge niedrig sind, liefert Südamerika sommerliche Überschüsse – und umgekehrt funktioniert das System im europäischen Sommer. Die Zeitverschiebung von drei bis vier Stunden zwischen den Kontinenten optimiert zusätzlich die täglichen Lastspitzen.

Die wirtschaftlichen Vorteile dieses Ansatzes sind bemerkenswert. Selbst bei konservativen Annahmen ist das System mindestens fünfmal kostengünstiger als klimaneutrale Gaskraftwerke mit Wasserstoff. Steuerbare Leistung würde perspektivisch 68 bis 77 Euro pro Megawattstunde kosten. Durch die saisonale Komplementarität zwischen den Hemisphären werden Dunkelflauten stark reduziert, wodurch teure Backup-Kapazitäten teilweise überflüssig werden. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Versorgungssicherheit durch Demokratien: Alle beteiligten Länder sind Demokratien mit marktwirtschaftlichen Systemen, was Vertrauen und Planungssicherheit schafft.

Das Kabel könnte bei entsprechendem politischem Willen in der zweiten Hälfte der 2030er Jahre in Betrieb gehen. Technisch ist das Vorhaben machbar, wie vergleichbare Projekte bereits demonstrieren. Das australisch-asiatische SunCable-Projekt mit über 5.000 Kilometern Kabellänge zeigt eindrucksvoll, dass solche Dimensionen realisierbar sind.