Die anhaltende Energiekrise in Südafrika wird durch ein Stromerzeugungsdefizit von mindestens 6 GW verursacht. Erneuerbare Energien können eine billige und schnelle Lösung für diese Krise sein. Um die Systemsicherheit mittel- und langfristig zu gewährleisten, muss das beträchtliche Wachstum der erneuerbaren Energien mit beschleunigten Investitionen in Netze und flexible, schnelle Ressourcen für ihre erfolgreiche Integration in die Stromnetze einhergehen. Die Netzplanung und der Netzausbau brauchen jedoch Zeit und werden erst in fünf bis zehn Jahren wirksam werden. Auf sehr kurze Sicht (Sofortmaßnahmen) könnten erhebliche Mengen an erneuerbaren Energien in der Größenordnung von mehreren Gigawatt selbst in den begrenzten Bereichen der bestehenden Stromnetzinfrastruktur eingesetzt werden, wenn ein Einspeisemanagement – welches bei Netzüberlastung die Abschaltung von EE ermöglicht – eingeführt wird. Dieser Rahmen wird in diesem Papier dargelegt und könnte innerhalb weniger Wochen in Kraft treten. Er könnte in kürzester Zeit (2 Jahre oder weniger) einen wesentlichen Beitrag zur nachhaltigen Abmilderung von Lastabwürfen leisten. „Curtailment“ bedeutet die optimale Nutzung der bestehenden Stromnetze, um ein Maximum an erneuerbaren Energien aufzunehmen. Es bezieht sich auf die aktive Steuerung (Reduzierung) der Leistung von EE-Anlagen als Reaktion auf die Erfordernisse der Systemsicherheit oder auf vorübergehende Engpässe bei der Übertragungskapazität. Eine vorläufige Analyse der strategischen Netzplanung von ESKOM bestätigt, dass die EE-Kapazität in der Westkap-Region nahezu verdoppelt werden könnte, wenn ein angemessener Anteil von höchstens 10 % an Kürzungen in Kauf genommen würde. Rund 4 GW an zusätzlicher EE-Kapazität könnten fast sofort ans Netz angeschlossen werden, und mehr als 90 % der Stromerzeugung dieser EE-Anlagen könnten sicher in das Netz integriert werden.

Die Studie wurde von Elia Grid International (EGI) in Zusammenarbeit mit dem südafrikanischen integrierten Stromerzeuger und Übertragungsnetzbetreiber ESKOM durchgeführt. Die Elia-Gruppe ist die Muttergesellschaft des nordostdeutschen Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz (Netzgebiet mit 18 Millionen Einwohnern, 100 TWh Jahreslast), der einer der europäischen Vorreiter bei der Integration variabler erneuerbarer Energien ist – mehr als 60 % im Jahresdurchschnitt. Bei 50Hertz, wie auch bei vielen anderen Übertragungsnetzbetreibern, ist die Abregelung seit mehr als einem Jahrzehnt ein Standardbetriebsverfahren. Sie hat sich als hocheffiziente und effektive Art des Netzbetriebs mit hohem EE-Anteil erwiesen, da sie die Systemkosten minimiert, die EE-Einspeisung maximiert und die Geschwindigkeit der EE-Einspeisung erhöht. Die Studie wurde von der Stiftung Klimaneutralität in Auftrag gegeben.